Biken bei den Berbern - Abenteuer Atlas

 

 

 

Am Anfang die Idee: Nach einigen Jahren Biketouren in den Alpen über 3000m entstand die Frage: Wo kann man die 4000m Marke mit dem Bike knacken? Der Plan: Die zwei höchsten Bergmassive des Hohen Atlas in Marokko – das M‘goun Massiv und den besser bekannten Toubkal zu probieren.

 

 

 

Wie würden wir die Anstrengung in der Höhe vertragen (+15kg fürs Bike, Ersatzteile, Werkzeug), werden die Trails überhaupt fahrbar sein, wird das Wetter uns eine Chance lassen, wie werden Versorgung, Sicherheit, hygenische Verhältnisse sein, hält das Material... ?

 

 

 

Ende September also raus aus der Komfortzone und ab nach Marrakech. 5 abenteuerlustige Biker machten sich mit der MTB Gruppe der Sektion Traunstein auf, um mit Unterstützung unseres lokalen Guides Hamid, die Antworten zu geben. Nach einem Transfer ins Bougmaz Tal (dem Happy Valley) sollte mit dem M‘goun ein recht entlegener technisch schwerer 4000-der zuerst angegangen werden.

 

 

 

Eigentlich die optimale Jahreszeit vor den Herbst-Schneestürmen und nach der Sommerhitze, war 2018 alles anders. Im September gab es massivste Niederschläge, welche einerseits zu viel Neuschnee in der Höhe aber auch zu sehr vielen Murenabgängen und Überflutungen führten: praktisch jede Straße oder Jeeppiste musste notdürftig freigeschoben werden.

 

 

 

So wurde mit den ersten Blicken auf das M‘goun-Massiv schnell klar, dass das Unterfangen mit Bike sinnlos und vor allem viel zu riskant gewesen wäre – tiefverschneite Grate hätten eher Steigeisen als Pedale und Gummireifen erfordert. Insbesondere die von uns avisierte Überschreitung auf einer wohl noch nie mit Bike versuchten Route war unmöglich realisierbar – vor allem auch zeitlich!

 

 

 

So nutzten wir die Übernachtung auf der Tarkedite Hütte auf knapp 3000m nach Überquerung eines 3400m hohen Passes am ersten! Tourentag zur Akklimatisierung. In dieser nur von nomadisch lebenden Viehhirten bewohnten kargen Gegend wurden wir aber schon mit sehr anspruchsvollen Abfahrten (Schwierigkeit anhaltend S3) und genialen Ausblicken belohnt.

 

 

Umso gespannter waren wir dann auf den Toubkal. Bis zum Gipfelversuch nutzten wir noch zwei weitere Tourentage (Oukaimeden → Imlil → Refuge Neltner), um uns weiter zu akklimatisieren und uns an das etwas rutschigere Gestein in dieser Atlasgegend zu gewöhnen.

 

 

 

Eigentlich alle Leute; Einheimische wie andere Touristen, begegneten uns mit großem Respekt und ein wenig Verwunderung / Bewunderung: „You‘re f… crazy“ hörten wir schon öfter. Unsere Radl geschultert wurde uns auch mehrfach angeboten, diese doch auf einen Muli zu verladen, aber wir wollten soweit möglich, aus eigener Kraft aufsteigen.

 

 

 

Los ging es dann am 4.10. in der Dämmerung, um geplant spätestens 3,5h später mit oder ohne Radl am Gipfel zu stehen. Immer speziell ist es, wenn man ins erste Licht des Tages steigt.

 

 

 

Wie schon fast befürchtet, mussten wir auch hier auf das Radeln über 4000m verzichten – die Vernunft siegte bei 3700m, wo wir unser Bikedepot einrichteten, um dann wenigstens zu Fuß den Gipfel nach 2,5h zu erreichen. Wohlweislich hatten wir zumindest Bergstiefel mitgenommen.

 

 

 

Durch den Gipfelerfolg versöhnt und gestärkt, lag jetzt ein langer anstrengender Abstieg / Abfahrt bis nach Imlil vor uns: ca. 2400 Tiefenmeter, Trails S2-S3, selten leichter, einige Tragepassagen, also nochmal richtig viel Arbeit für Mann und Rad.

 

Neben Speichenverlusten, 2 Rahmenbrüchen und Platten 6-9 (alle durch unseren Berberguide Hamid) kamen wir dann aber alle weitgehend heil und glücklich abends wieder in Imlil an.

 

 

 

Dort wurde dann mit 1-em! ersten Bier seit einer Woche der Trip gefeiert, bevor es wieder zurück nach Marrakech in ein behagliches Riad ging, um noch ein wenig die Stadt und die Suk‘s kennenzulernen.

 

 

 

Was bleibt? Am Ende haben wir das Beste aus den Verhältnissen gemacht, uns selbst gefordert und ein sehr freundliches Land aus dem Sattel kennengelernt. Vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung. Mich persönlich würde es freuen, wieder einmal mit solch einer starken Truppe unterwegs zu sein! Fettes Danke für einen einmaligen Trip!

 

 

 

Da Axel #trickytrails